Nahrungsmittelallergie vom Typ IgE und IgG

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Wenn auf den Verzehr von Nahrungsmitteln hin Beschwerden entstehen, liegt es auf der Hand eine Testung auf Nahrungsmittelallergie durchzuführen. Häufig handelt es sich dabei um eine IgE-vermittelte Sofortreaktion als sog. Kreuzallergie bei Heuschnupfenpatienten, die gut erkannt werden kann. Jedoch wird auch eine verspätete allergische Reaktion auf Nahrungsmittel diskutiert, die für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen mitverantwortlich sein bzw. diese unterhalten kann. Dabei handelt es sich um IgG-vermittelte Typ-III-Reaktionen, die i. d. R. dem Lebensmittelverzehr nicht zugeordnet werden können.

Zur Klassifizierung dieser immunologischen Reaktionen dienen die beteiligten Antikörper = Immunglobuline, also IgE bei Typ-I-Sofortreaktionen oder IgG bei Typ-III-verspäteten-Reaktionen. Abgesehen davon gibt es weitere durch Lebensmittel hervorgerufene krankhafte Prozesse pseudoallergischer und autoimmuner Natur, z. B. die Fruktoseintoleranz oder die Zöliakie.

Beschwerden bei Sofort- und verspäteten Reaktionen im Vergleich

Typ I, IgE-vermittelt

  • Histaminfreisetzung und allergische Reaktion vom Soforttyp, dosisunabhängig
  • Niesattacken, Naselaufen, Nasenverstopfung
  • Konjunktivitis
  • Asthma
  • Urtikaria, Ekzeme
  • Durchfall
  • 30 % der Kinder mit Neurodermitis haben Nahrungsmittelallergien
  • auch als Kreuzreaktion durch Pollenallergie: allergische Reaktion auf Allergene, die dem ursprünglich auslösenden Allergen strukturell ähnlich sind

Typ III, IgG-vermittelt

  • allergieähnliche Reaktion, zeitverzögert, dosisabhängig
  • IgG1-3: späte Reaktionen (nach Tagen), Komplementaktivierung und chronische Entzündung, Auslöser meist unklar mit chronischen, unspezifischen Beschwerden
  • Müdigkeit
  • Muskel- und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie
  • Migräne, Kopfschmerzen
  • Urtikaria
  • Reizdarm bzw. Colitiden, Blähungen, Durchfall
  • Hyperaktivität (ADS, ADHS)
  • Infektanfälligkeit
  • Neurodermitis, Psoriasis
  • diätresistente Adipositas

IgG-Nahrungsmitteltests sind in Deutschland seit den 80er Jahren bekannt und die Entstehungsmechanismen der IgG-Bildung beschrieben. Jedoch wird die klinische Bedeutung dieser Antikörperbildung uneinheitlich bewertet und von den Allergologen-Verbänden abgelehnt. Viele Anwendungsstudien mit positiven Resultaten sprechen dafür diesen Ansatz weiter zu verfolgen. Das Institut für Mikroökologie bezieht Stellung zur Kritik der Allergologen an den IgG-Tests.

IgG-Test-basierte Diäten erfolgreich bei Reizdarm und Migräne

2004 veröffentlichten Atkinson et al. eine Arbeit, in der gezeigt wurde, dass 150 Patienten mit Reizdarm von einer dreimonatigen Diät, die auf einer IgG-Testung basierte, signifikant profitierten (1).

2010 untersuchte Alpay in einer kleinen Studie die Auswirkung einer auf IgG-Antikörpern gegen Lebensmittelantigene fußenden Diät auf den Verlauf von Migräneattacken. Im Vergleich zum Ausgangswert war eine signifikante Verringerung der Anzahl der Kopfschmerztage und der Migräneattacken in der Eliminationszeit zu verzeichnen (2).

Ein möglicher Schlüssel zur Behandlung chronischer Erkrankungen

Die Therapie vieler chronischer Erkrankungen ist oft unbefriedigend. Einen möglichen ursächlichen Ansatz bietet der IgG-Test, der bei folgenden Erkrankungen sinnvoll ist:

  • Reizdarm und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Psoriasis, Neurodermitis
  • chronische Bronchitis, Sinusitis
  • Infektanfälligkeit
  • Migräne und chronische Kopfschmerzen
  • Gelenkbeschwerden, Rheuma und Fibromyalgie
  • Adipositas diätresistent
  • ADS/ADHS, Autismus

Ursachen und Entstehung

  • Hygienetheorie und Abnahme von Infektionskrankheiten
  • TH2-Shift durch Schwermetalle und als Alterungsvorgang
  • Fütterung von allergenhaltiger Beikost (Weizen- u. Milcheiweiß) bei Kindern im 1. Lebensjahr
  • Störung der Darmflora und Darmschleimhaut
    • entzündliche Darmerkrankungen, z. B. durch Dysbiose
    • erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (leaky gut) als Folge
  • IgA-Mangel: eingeschränkte Antigenneutralisierung
  • Enzym- u./o. Magensäuremangel mit mangelnder Allergendenaturierung

Während der Sensibilisierungsphase entstehen bei der Typ-III-Reaktion spezifische IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittelallergene. Verzehrt der betroffene Patient das Lebensmittel wiederholt, binden die Antikörper die entsprechenden Allergene und vernetzen sich zu Immunkomplexen. Problematisch wird es, wenn oft Mengen des unverträglichen Lebensmittels gegessen werden bzw. gleichzeitig die Darmschleimhaut zu durchlässig ist. Dann bilden sich infolge viele Immunkomplexe, die sich ansammeln, im Blut zirkulieren und sich ablagern, z. B. in kleinen Blutgefäßen, der Gelenkschleimhaut oder der Niere. Dort lösen sie lokale Entzündungen aus, die für die Beschwerden verantwortlich sind.

Leistungen der Praxis für Komplementärmedizin

Individuelle Diagnose und Therapie von Beschwerden und chronischen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelallergie stehen. Das kann ein Reizdarm, eine Psoriasis, Neurodermitis oder eine Migräne sein.

Die IgG-Diagnostik gliedert sich in einen Vor- und Haupttest, der Reaktionen auf bis zu 300 Nahrungsmittelallergene im Blut untersucht. Sie liefert die Basis für eine individuelle Ernährungsberatung, inkl. einer gezielten Ernährungsumstellung, die eine Eliminations-, Provokations- und Stabilisierungsphase vorsieht. In jedem Fall sollte gleichzeitig die Verdauungsleistung und Darmgesundheit, insbesondere der Zustand der Darmschleimhaut, per Stuhldiagnostik überprüft und ggfs. therapeutisch miteinbezogen werden.

Studien

1: Food elimination based on IgG antibodies in irritable bowel syndrome: a randomised controlled trial; W. Atkinson, T. A. Sheldon, N. Shaath, P. J. Whorwell.

2: Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: a clinical double-blind, randomised, cross-over trial; Kadriye Alpay, Mustafa Ertas, Elif Kocasoy Orhan, Didem Kanca Ustay, Camille Lieners, Betül Baykan.