Eisenmangel – immer müde und kraftlos

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Der Eisenmangel ist v. a. in den Entwicklungsländern ein großes Problem, jedoch finden sich in Risikogruppen der westlichen Nationen – z. B. Kinder in der Wachstumsphase, Frauen, Sportler, Vegetarier/Veganer – häufig manifeste Mängel und Unterversorgung, d. h. Eisenmangel mit und ohne Anämie. Besonders letztere Variante ist häufig und wird nicht über die klassischen Anämiesymptome auffällig. Jedoch bleibt auch eine Unterversorgung des Eisens nicht folgenlos: Immer müde, kraftlos, depressiv fühlen sich die meisten betroffenen Patienten.

Beschwerden bei Eisenmangel

  • Müdigkeit, Lern- u. Leistungsschwäche, Kälteempfindlichkeit
  • Herzklopfen, Tachykardie, Belastungsdyspnoe, Schwindel
  • Haarausfall (bereits möglich bei Ferritin < 70 µg/l)
  • blasse, rissige Haut und brüchige Nägel
  • Infektanfälligkeit
  • Mundwinkelrhagaden, Glossitis (Zungenbrennen)
  • Kopfschmerzen, Depressivität
  • Restless-Legs-Syndrome
  • erhöhtes Frühgeburtsrisiko
  • Wachstumsstörungen, reduzierte Intelligenzentwicklung

Die Eisenunterversorgung ist mit folgenden Erkrankungen assoziiert: Schilddrüsenunterfunktion, Depression, ADHS und Restless-Legs-Syndrome. Dies lässt sich über die Insuffizienz eisenabhängiger Enzyme erklären. Darüber berichtet die Deutsche Apothekerzeitung 2010: Eisen beim Restless legs Syndrom.

Ursachen eines Eisenmangels

Ernährung

  • vegetarische oder vegane Kost: Fe3+ aus pflanzlichen Lebensmitteln besitzt eine schlechtere Bioverfügbarkeit (5%) als tierisches Fe2+ (30%)
  • Zugabe von Vitamin C verbessert die Resorption von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln
  • hoher Konsum von Tee- u. Kaffee (Tannine), Limonaden (Phosphat), Milchprodukte (Calcium) hemmt die Eisenresorption

Erhöhter Bedarf

  • im Wachstum, durch Leistungssport oder Blutspenden
  • bei Frauen in der Schwangerschaft (doppelter Tagesbedarf), durch Stillen
  • Menstruation: monatlicher Verlust bei 60 ml und Hb von 15 g/dl = 30 mg

Erkrankungen

  • Gastritis, z. B. durch Helicobacter-Infektion
  • Blutungen: GIT, urogenital, Hämorrhoiden
  • Malabsorption: Mangel an Magensäure, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie
  • Umverteilungsstörung, funktioneller Eisenmangel: chronische Entzündung, Tumore mit hohem Eisenbedarf, Autoimmunerkrankungen

Medikamente

  • Antazida, Protonenpumpeninhibitoren hemmen die Magensäurebildung und beeinflussen die Eisenverwertung negativ
  • ASS und NSAR (Diclofenac) können zu Blutungen im Verdauungstrakt mit Eisenverlust führen

Interaktionen mit anderen Mikronährstoffen

  • hohe Zinkzufuhr: ab ca. 50 mg/d über längere Zeit wird die Aufnahme von Eisen und/oder Kupfer kompetitiv gehemmt
  • Kupfermangel: führt zur Störung des Eisenstoffwechsels (eisenrefraktäre Anämie)
  • Vitamin-A-Mangel: Vit. A ist beteiligt an der zellulären Eisenaufnahme und -mobilisation (eisenrefraktäre Anämie)
  • Vitamin-D-Mangel: niedriges Vit. D korreliert mit verminderter Eisenaufnahme (erhöhte Hepcidinspiegel)

Diagnose

Der Eisenspiegel wird anhand des Speichereisens – Ferritin – beurteilt. Eisen im Serum ist kein verlässlicher Indikator, auch nicht das rote Blutbild, da die Bildung der roten Blutzellen und des Hämoglobins erst bei weitgehender Entleerung der Eisenspeicher abzunehmen beginnt. Das Ferritin korreliert gut mit der Gesamtversorgung, ist aber störanfällig. D. h. es muss eine entzündlich bedingte Erhöhung ausgeschlossen werden. Ein komplettes und aussagekräftiges Eisenlabor kann von der Praxis erbracht werden.

Der untere Normbereich des Ferritins wird unterschiedlich bewertet. Man sollte sich nicht mit Ferritinwerten unter 30 µg/l zufrieden geben.

Ferritin Normbereiche

  • Männer: 30-400 µg/l
  • Frauen: 30-150 µg/l
  • latenter Eisenmangel: < 20 µg/l
  • manifester Eisenmangel: < 10 µg/l

Vorsicht: Anämie bei chronischen Erkrankungen

Bei entzündlich geprägten Erkrankungen kommt es zum Anstieg des Ferritins uund der Ausbildung  einer ACD (Anemia of chronic Disease). Darunter fallen ca. 50 % aller Anämien und es betrifft Patienten mit rheumatoider Arthritis, chronischen Darmentzündungen oder Adipositas. Ein entzündlich-bedingt hoher Ferritinwert kann trotzdem einen Eisenmangel bedeuten.

Therapie nach Ursache

Vor der Eisensubstitution gilt es obig gennanten Ursachen abzuklären: Ernährungsverhalten, Bedarf, Erkrankungen und Medikamente müssen berücksichtigt und ggfs. Therapien eingleitet werden. Insbesondere die genannten Interaktionen mit anderen Mikronährstoffen sind wichtig, damit die Eisentherapie funktioniert! Als Zielwert für Ferritin gilt mind. > 50 µg/l. Spurenelemente sollten generell in das obere Drittel des Normbereichs aufgefüllt werden.

Empfohlene Zufuhr laut DACH

Eisen kann in Form von Fe(II)-gluconat, -sulfat, -glycinat zugeführt werden. Die Einnahme erfolgt möglichst nüchtern, bei Magen-Darm-Beschwerden ca. ½ Std. nach einer Mahlzeit. Eisen sollte nur nach gesicherter Diagnose eines Mangels substituiert werden! Die Therapiedauer erstreckt sich über Monate unter Laborkontrolle.

  • Kinder 10-15 Jahre: 10-15 mg/d
  • jugendliche und erwachsene Männer: 12 bzw. 10 mg/d
  • jugendliche und erwachsene Frauen (menstruierend): 15 mg/d
  • Schwangere: 30 mg/d; Stillende: 20 mg/d