Histaminose: Ursache vieler Beschwerden

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Histaminose, Histaminintoleranz (HIT) und -unverträglichkeit sind synonyme Begriffe, die ein Beschwerdebild beschreiben welches häufig Frauen betrifft und typischerweise nach dem Verzehr histaminreicher bzw. histaminfreisetzenden Lebensmitteln, z. B. Bier, Rotwein, gereifter Käse, Fisch, Schokolade oder Tomaten auftritt. Häufig handelt es sich um Kopfschmerzen und Sodbrennen, jedoch sind auch andere Beschwerden möglich. „Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz“, titelte das Deutsche Ärzteblatt 2006. Das Vermeiden histaminreicher Lebensmittel bringt Besserung, aber es stellt sich die Frage warum der Körper das Histamin nicht regulieren kann?

Was ist Histamin?

  • ein körpereigener Entzündungsbotenstoff (Hauptvermittler der allergischen Reaktion) und Neurotransmitter
  • entsteht durch Gär- und Reifeprozesse (Bakterien, Hefen) in Lebensmitteln

Symptome

Beschwerden, die durch hohe Histaminspiegel entstehen können, sind vielfältig:

  • Migräne (!), Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Kreislaufprobleme (niedriger Blutdruck), Herzjagen (!)
  • Flush, Urtikaria, Juckreiz (!)
  • Durchfall, Darmkrämpfe
  • Menstruationsbeschwerden
  • Sinusitis, verstopfte Nase, laufende Nase, Asthmaanfälle
  • Sodbrennen (!)
  • Verstärkung vorhandener allergischer Reaktionen

Ursachen

Hohe Histaminspiegel bilden sich aufgrund hoher Zufuhr histaminreicher Nahrungsmittel, erhöhter Freisetzung aus Immunzellen (Mastzellen) bzw. aufgrund unzureichender Abbauleistung (geringe Menge/Aktivität histaminabbauender Stoffwechselprozesse und Enzyme). Die Verfügbarkeit der wichtigen histaminabbauenden Diaminooxidase (DAO) ist abhängig von Cofaktoren.

Häufig findet sich als eine Ursache die Dysbiose des Darms, welche sich aufgrund von Ernährungsfehlern und wiederholten Antibiotikagaben eingestellt hat. Starker und falscher Proteinkonsum bei schlechter Verdauungsleistung (zuwenig Pankreasenzyme) begünstigt das Wachstum von histaminbildenden Fäulniskeimen (Clostridien) im Dickdarm.

Eine weitere häufige Ursache ist eine Östrogendominanz bei den mehrheitlich betroffenen Frauen. Östradiol kann die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen auslösen und Histamin wiederum fördert die Östrogensynthese [1]. Somit kann ein circulus vitiosus von beiden Substanzen ausgehen. Viele Frauen berichten von Histaminbeschwerden und Kopfschmerzen zum Zeitpunkt des Eisprungs (hohe Östrogenspiegel) und zu Beginn der Blutung als prämenstruelles Syndrom (niedrige Progesteronspiegel; Progesteron stabilisiert Mastzellen).

  • mit der Nahrung aufgenommenes Histamin und Tyramin (Schokolade)
    • Tyramin wird ebenso über DAO abgebaut
  • Histaminliberatoren: verschiedene Medikamente und Lebensmittel fördern die Histaminfreisetzung
    • Erdbeeren, Zitrus- und Meeresfrüchte, Tomaten, Alkohol
    • Analgetika, Barbiturate, Muskelrelaxanzien, Glutamat (E620-625)
  • DAO-Hemmer: Alkohol, Nikotin und viele Medikamente
  • Dysbiose: im Darm entstehendes Histamin durch vermehrt vorhandene Fäulnisbakterien und Candida
  • Östrogendominanz: Östradiol triggert die Histaminfreisetzung aus Mastzellen (Histamin wiederum fördert die Östrogensynthese)
  • Mastzellaktivierungssyndrom
    • durch Östrogendominanz
    • durch Darmpilze (Candidose)
    • durch Entzündung bzw. Allergie vermehrt freigesetztes Histamin

Diagnose

  • Histaminspiegel und DAO-Aktivität
  • Stuhldiagnostik: histaminbildende Darmflora und Histamin im Stuhl
  • Östradiol-Progesteron-Ratio per Speicheldiagnostik
  • Mikronährstoffe: DAO-Cofaktoren (Zink, Kupfer, Vit. C und B6)

Therapie nach Ursache

Zuerst erfolgt eine Umstellung auf histaminarme Ernährung und Meidung der Histaminliberatoren bzw. DAO-Hemmer. Tipps dazu gibt das Institut für Ernährungsmedizin, TU München. Weiterhin sind i. d. R. je nach individueller Befundung weitere therapeutische Schritte nötig:

  • Darmflora regulieren: ballaststoffreiche Ernährung und Probiotika
  • laborkontrollierter Einsatz relevanter Mikronährstoffe zur Steigerung der Histaminabbauleistung
  • hormonregulierende Therapie

Studien

1: Role of female sex hormones, estradiol and progesterone, in mast cell behavior. Oliver Zierau, Ana C. Zenclussen and Federico Jensen.